Sobald ein Familienmitglied zunehmend Unterstützung im Alltag benötigt, stehen Angehörige vor einer vollkommen neuen Situation. Plötzlich dreht sich alles um Anträge, Paragrafen und Pflegeleistungen und früher oder später ist die Einstufung in einen Pflegegrad notwendig. Viele Angehörige sind bei diesem Schritt verunsichert. Was passiert bei dem Termin der Begutachtung? Wer kommt zu einem nach Hause? Wie bereitet man sich sinnvoll auf den Termin vor? Und was ist, wenn sich das Familienmitglied plötzlich doch von der besten Seite zeigt?
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie eine Begutachtung für die Festlegung des Pflegegrads abläuft, wie Sie sich optimal auf den Termin vorbereiten und wie wir von Mesedi euch anschließend gezielt entlasten können.
Durchführung persönlicher Einschätzung
Die Pflegekasse schickt eine Fachkraft zur persönlichen Einschätzung bei der zu pflegenden Person vorbei, sobald der Antrag gestellt ist. Je nachdem, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind, ist dafür eine andere Organisation zuständig. Bei gesetzlich Versicherten kommen Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) vorbei. Bei Privatversicherten ist die Organisation Medicproof zuständig. Keine Sorge, beide Einrichtungen müssen sich an dieselben gesetzlich festgelegten Kriterien halten, sodass niemand aufgrund seiner Krankenversicherung benachteiligt wird.
Begutachtungs Ablauf – So läuft der Termin im Detail ab
Gutachter kommen niemals ohne Ankündigung bei Ihnen vorbei. Bevor die Begutachtung stattfindet, vereinbaren Sie einen Termin. Dieser dauert in der Regel eine bis anderthalb Stunden. Nur in komplexen Fällen dauert es länger.
Nachdem sich die begutachtende Person vorgestellt und ihre Zielsetzung erläutert hat, geht es direkt zum inhaltlichen Teil des Termins. Im gemeinsamen Gespräch stellt die Fachkraft gezielte Fragen zur gesundheitlichen Lage, zur Bewältigung des Alltags und zu bestehenden Einschränkungen. In einigen Fällen wird Ihre angehörige Person womöglich auch gebeten, einfache Bewegungen oder alltägliche Handlungen vorzumachen. Das dient dazu, dass sich die Fachkraft ein besseres Bild verschaffen kann. Ihr Angehöriger könnte beispielsweise zum Waschbecken gehen oder selbstständig aus dem Sessel aufstehen.
Parallel zum Gespräch sichtet die Fachkraft die Unterlagen. Dazu gehören etwa Arztberichte, Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus, Pflegedokumentationen oder auch Medikamentenpläne. Zum Schluss des Termins erklärt Ihr Besuch die weiteren Schritte, trifft vor Ort jedoch keine endgültige Entscheidung über den Pflegegrad. Das Ergebnis geht als Gutachtung schriftlich an die dafür zuständige Stelle, die Sie im Anschluss darüber in Kenntnis setzt.
Warum Angehörige bei der Begutachtung unbedingt anwesend sein sollten
Der Termin muss nicht zwingend allein bewältigt werden. Ganz im Gegenteil: Es wird sogar ausdrücklich empfohlen, dass Sie als pflegende Angehörige oder nahe Bezugspersonen bei dem Besuch dabei sind. Dafür gibt es gleich mehrere triftige Gründe. Ihr Angehöriger leidet bei solch einem Termin oft unter Anspannung oder Aufregung. Ein vertrautes Gesicht in der Runde schenkt Sicherheit und baut Ängste ab. Weiterhin kennen nahe Angehörige den Alltag am besten. Oftmals fallen Ihnen Kleinigkeiten auf, die der betroffenen Person selbst gar nicht mehr als Einschränkung bewusst sind oder die schlicht im Moment vergessen werden.
Sollten sich im Laufe des Gesprächs Unklarheiten ergeben, können Sie als ergänzende Auskunftsperson einspringen. Ihre Anwesenheit signalisiert der begutachtenden Person zudem, dass ein funktionierendes soziales Netz besteht, Unterstützung dennoch benötigt wird.
Falscher Stolz und Scham: Was tun, wenn Einschränkungen beschönigt werden?
Es ist ein menschliches Phänomen, was beim Ablauf fast jeder Pflegegrad-Begutachtung typisch ist: Vor fremden Besuchern mobilisieren ältere Menschen all ihre Kräfte. Aus Stolz, Scham oder Angst vor dem Verlust der Eigenständigkeit antworten sie auf Fragen wie „Können Sie sich noch selbst anziehen?“ mit einem überzeugten „Ja, natürlich!“, wenngleich dieser Schritt im Alltag eine Dreiviertelstunde dauert und mit Schmerzen verbunden ist. In diesem Fall ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Lautstarkes Korrigieren oder das Aussprechen von Vorwürfen können für Scham sorgen beim Pflegebedürftigen oder treibt Ihren Angehörigen in eine trotzige Abwehrhaltung für den Rest des Gesprächs.
Um in einer solchen Situation souverän zu reagieren, helfen Ihnen einige praxiserprobte Strategien. Zum einen empfiehlt es sich, vor dem Termin über ein bis zwei Wochen ein detailliertes Pflege-Tagebuch über den Alltag zu führen. Indem Sie genau aufschreiben, wo Hilfe nötig war und wie lange einzelne Tätigkeiten dauern, erhalten Sie ein wertvolles Dokument, das Sie der Fachkraft gleich zu Beginn überreichen können. Merken Sie während des Besuchs, dass Ihr Angehöriger die eigene Situation stark beschönigt, suchen Sie gezielt das Vier-Augen-Gespräch. Bitten Sie den Prüfenden dafür höflich um ein kurzes Gespräch – etwa beim Herbeiholen von medizinischen Unterlagen im Nebenzimmer oder an der Haustür. Schließlich geht es darum, die gezeigten Ressourcen richtig einzuordnen: Einfühlsame Erklärungen wie „Mutter möchte Sie heute schonen, aber im Alltag fällt das Aufstehen schwer“ helfen der Fachkraft, die Lage realistisch einzuschätzen, ohne Ihren Angehörigen bloßzustellen.
Die Einschätzung der Selbstständigkeit als Maßstab
Bei der Begutachtung geht es nicht darum, wie viele Minuten Pflege pro Tag anfallen. Der entscheidende Maßstab ist vielmehr der Grad der Selbstständigkeit im Alltag. Um diesen präzise zu ermitteln, prüft der Medizinische Dienst insgesamt sechs verschiedene Lebensbereiche, die sogenannten Module:
- Mobilität: Wie selbstständig gelingen Fortbewegung, Lageveränderungen im Bett, Aufstehen oder Treppensteigen?
- Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Wie steht es um die zeitliche und örtliche Orientierung, das Verstehen von Sachverhalten und das Erkennen von Personen?
- Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Liegen Ängste, Unruhe, Wahnvorstellungen oder nächtliche Unruhe vor?
- Selbstversorgung: Was klappt eigenständig bei Körperpflege, Essen, Trinken und Toilettengang
- Krankheits- und therapiebedingte Anforderungen: Welche Hilfe ist bei Medikamenteneinnahme, Verbandswechseln oder Arztbesuchen nötig?
- Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Wie selbstständig wird der Tagesablauf strukturiert und der Kontakt zu Mitmenschen aufrechterhalten?
Aus der Bewertung aller Module ergibt sich am Ende ein gewichtetes Punktesystem, auf dessen Basis die zuständige Stelle die passende Einstufung vornimmt.
Was passiert nach dem Termin?
Nach dem Treffen wertet die Fachkraft alle Informationen aus und erstellt ein fundiertes Gutachten, die direkt an die Pflegekasse geht. Der schriftliche Bescheid trifft meist wenige Wochen später bei Ihnen ein. Darin erfahren Sie, welcher Pflegegrad bewilligt wurde und welche Leistungen Ihnen rückwirkend ab Antragstellung zustehen.
Sollte der Bescheid nicht Ihren Erwartungen entsprechen oder der tatsächliche Hilfebedarf unterschätzt worden sein, können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen, um eine erneute Überprüfung zu veranlassen.
Unterstützung durch Mesedi: Die bewilligten Leistungen optimal nutzen
Ein erfolgreicher Ablauf einer Pflegegrad-Begutachtung ist geschafft und der Bescheid liegt vor, doch wie nutzen Sie die bewilligten Budgets nun am besten im Alltag?
Genau hier stehen wir von Mesedi euch zur Seite. Wir beraten Sie umfassend dazu, wie sich die finanziellen Mittel und Pflegesachleistungen optimal für eine liebevolle Betreuung einsetzen lassen. Wir vermitteln erfahrene Betreuungskräfte für die sog. 24-h-Pflege bei Ihnen zu Hause. Unser Ziel ist es, Sie als pflegende Angehörige spürbar zu entlasten, damit Ihr Familienmitglied in seiner gewohnten Umgebung in Würde, Sicherheit und Geborgenheit leben kann.
Wenden Sie sich bei Fragen gerne an uns. Wir begleiten Sie Schritt für Schritt!