Der Anruf kommt an einem Dienstagvormittag. Ihre Mutter, 81 Jahre alt, wurde nach einem Sturz am Oberschenkelhals operiert. Der Eingriff sei gut verlaufen, heißt es von der Station, die Entlassung sei für Freitag vorgesehen. Damit bleiben nur drei Tage Zeit, um zu organisieren, wie ihre Mutter nach der Entlassung zu Hause versorgt werden kann, obwohl sie bislang allein im ersten Stock ohne Aufzug gelebt hat.
Solche Zeitfenster überfordern fast jede Familie, und das ist keine Schwäche. Zur Sorge um den Gesundheitszustand kommt der Druck, innerhalb weniger Tage Entscheidungen mit langer Wirkung zu treffen. Beruhigend ist: Die Organisation folgt einer nachvollziehbaren Reihenfolge, und der größte Teil davon lässt sich noch während des Klinikaufenthalts erledigen. Genau dort liegt der Schlüssel, denn im Krankenhaus haben Sie Zugriff auf Fachleute, Verordnungen und Einschätzungen, die später mühsam einzeln beschafft werden müssen. Die folgenden sieben Schritte zeigen, worauf es ankommt und in welcher Abfolge Sie sinnvoll vorgehen.
Schritt 1: Frühzeitig das Gespräch mit dem Sozialdienst suchen
Jede Klinik ist gesetzlich zu einem strukturierten Entlassmanagement verpflichtet. Zuständig dafür ist der Sozialdienst, mancherorts auch Pflegeüberleitung genannt. Warten Sie nicht darauf, dass sich jemand bei Ihnen meldet, sondern bitten Sie das Stationspersonal bereits am ersten oder zweiten Tag um einen Termin. Dort erfahren Sie, welcher Unterstützungsbedarf ärztlich eingeschätzt wird, welche Hilfsmittel verordnet werden können und ob eine Anschlussheilbehandlung oder eine Kurzzeitpflege sinnvoll ist. Bitten Sie ausdrücklich darum, dass Ihnen der Entlassungsplan schriftlich ausgehändigt wird, denn mündliche Zusagen gehen im Klinikalltag verloren. Dort lässt sich außerdem der Antrag auf einen Pflegegrad anstoßen. Das ist wichtig, weil zahlreiche Leistungen erst mit dieser Einstufung zugänglich werden und die Bearbeitung Wochen dauern kann.
Schritt 2: Das Entlassungsszenario im Detail klären
„Entlassung am Freitag“ ist keine Information, mit der sich planen lässt. Fragen Sie deshalb konkret nach: Um welche Uhrzeit? Ist ein Krankentransport verordnet oder muss die Fahrt privat organisiert werden? Kann Ihre Mutter Treppen steigen, und wenn ja, wie viele Stufen und mit welcher Hilfe? Darf sie das operierte Bein belasten? Braucht sie Unterstützung beim Aufstehen, beim Waschen, beim Ankleiden? Notieren Sie die Antworten und gleichen Sie sie mit dem Entlassungsplan ab. Nicht selten zeigt sich erst in diesem Gespräch, dass die Rückkehr in die eigene Wohnung am Entlassungstag noch nicht möglich ist und ein Zwischenschritt nötig wird, etwa eine geriatrische Rehabilitation oder eine vorübergehende Kurzzeitpflege. Diese Erkenntnis ist unangenehm, aber sie ist deutlich besser als eine überstürzte Heimkehr. Ein realistisch beschriebener Entlassungsplan verhindert genau die Notlagen, die sonst am ersten Wochenende zu Hause entstehen.
Schritt 3: Einen Zeitplan rückwärts vom Entlassungstag aufstellen
Der Entlassungsplan nennt den Termin, alles Weitere planen Sie von diesem Datum aus rückwärts. Ein bewährtes Raster sieht so aus:
- Tag 1 nach der Aufnahme: Termin mit dem Sozialdienst vereinbaren, Vorsorgevollmacht prüfen
- Tag 2: Antrag auf einen Pflegegrad stellen, Hausarztpraxis informieren
- Tag 3 bis 4: Hilfsmittel bestellen, Wohnung vorbereiten, ambulante Dienste anfragen
- Tag 5: Medikamente und Folgerezepte klären, Transport verbindlich bestätigen
- Entlassungstag: Ankunft begleiten, erste Nacht absichern
- Zweite Woche: Situation überprüfen und nachsteuern
Dieses Raster lässt sich verdichten, wenn nur wenige Tage bleiben. Entscheidend ist, dass jede Aufgabe ein Datum und eine verantwortliche Person hat.
Schritt 4: Ansprechpartner benennen und Zuständigkeiten verteilen
In den ersten Wochen kommen viele Beteiligte zusammen. Legen Sie deshalb schriftlich fest, wer welche Aufgabe übernimmt, und sammeln Sie alle Kontaktdaten an einer einzigen Stelle, idealerweise auf einem Blatt am Kühlschrank.
Dazu gehören:
- Hausärztin oder Hausarzt für Folgerezepte, Wundkontrolle und Verordnungen
- ambulanter Pflegedienst für die medizinische Behandlungspflege
- Apotheke für Lieferung und wöchentliche Vorsortierung der Präparate
- Sanitätshaus für Rollator, Pflegebett und Toilettenstuhl
- Physiotherapie für die verordneten Anwendungen
- eine Person in der Familie, die den Überblick behält
Fassen Sie diese Angaben gemeinsam mit den täglichen Abläufen in einem Pflegeplan zusammen. Dieses Dokument ist keine überflüssige Bürokratie, sondern die Grundlage dafür, dass alle Beteiligten denselben Informationsstand haben, auch wenn Sie selbst einmal nicht erreichbar sind.
Schritt 5: Die Wohnung auf die Rückkehr vorbereiten
Gehen Sie die Wohnung einmal mit den Augen eines Menschen durch, der unsicher auf den Beinen ist. Teppichkanten, Kabel und Türschwellen werden zu Stolperfallen, das Bett steht in der Regel zu niedrig, das Bad ist ohne Haltegriff kaum nutzbar.
Sinnvoll sind ein höhenverstellbares Pflegebett, eine Toilettensitzerhöhung, rutschfeste Matten, gute Beleuchtung im Flur und ein Hausnotrufsystem. Viele dieser Hilfsmittel werden bei anerkanntem Pflegegrad bezuschusst. Prüfen Sie zudem, ob sich das Schlafzimmer vorübergehend ins Erdgeschoss verlegen lässt. Halten Sie anschließend im Pflegeplan fest, welche Wege Ihre Mutter selbstständig zurücklegen darf und wo eine Begleitung nötig ist.
Schritt 6: Die Medikamente lückenlos übernehmen
Nach einer Operation ändert sich die Medikation fast immer. Lassen Sie sich vor der Entlassung einen aktuellen Medikationsplan aushändigen und vergleichen Sie ihn mit den Präparaten, die zu Hause im Schrank stehen.
Klären Sie dabei:
- Welche Mittel wurden abgesetzt?
- Wie lange läuft die Thromboseprophylaxe?
- Bestehen Wechselwirkungen mit der bisherigen Dauermedikation?
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Versorgungslücke unmittelbar nach der Entlassung. Kliniken geben Medikamente meist nur für wenige Tage mit, und ein Freitagnachmittag ist denkbar ungeeignet, um ein Folgerezept zu besorgen. Ein Wochenddispenser und feste Einnahmezeiten im Pflegeplan verringern zusätzlich das Risiko von Doppelgaben.
Schritt 7: Die ersten Wochen begleiten und nachsteuern
Der schwierigste Moment liegt nach der Ankunft. Die Klinik fällt als Sicherheitsnetz weg, und erst zu Hause zeigt sich, was tatsächlich trägt. Planen Sie die ersten beiden Nächte bewusst mit Begleitung, auch wenn dafür Urlaubstage nötig sind.
Notieren Sie in den ersten Tagen, was gut läuft und wo Hilfe fehlt. Auf dieser Grundlage passen Sie den Pflegeplan nach zwei Wochen fundiert an, statt aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Häufig stellt sich in dieser Phase heraus, dass stundenweise Unterstützung nicht ausreicht und eine dauerhafte Präsenz im Haushalt die stabilere Lösung wäre. Diese Erkenntnis früh zuzulassen, erspart Ihnen später eine zweite Krise. Achten Sie in diesen Wochen auch auf sich selbst: Die eigenen Kräfte werden von Angehörigen fast durchgängig überschätzt, und eine Erschöpfung nach vier Wochen hilft niemandem weiter.
Sie müssen das nicht allein tragen
Die sieben Schritte lassen sich abarbeiten. Allerdings fallen sie in eine Phase, in der Sie ohnehin belastet sind, häufig parallel im Beruf stehen und selten Erfahrung mit dem Pflegesystem haben. Eine neutrale Anlaufstelle nimmt Ihnen an dieser Stelle Entscheidungsdruck ab und sortiert die offenen Fragen.
Wir bei Mesedi begleiten Familien seit über 20 Jahren durch genau solche Übergangssituationen: mit einer sorgfältigen Bedarfsanalyse im persönlichen Gespräch, mit Hilfe bei Anträgen an die Pflegekasse und mit einem festen Ansprechpartner, der auch am Wochenende erreichbar ist. So entsteht ein Pflegeplan, der zu Ihrer Familie passt und nicht zu einem Standardfall.
Steht der Entlassungstermin bereits fest und Sie wissen nicht, wo Sie überhaupt beginnen sollen? Rufen Sie uns an oder fordern Sie eine unverbindliche Beratung an. Oft genügt ein Gespräch von zwanzig Minuten, um aus einer unübersichtlichen Lage einen tragfähigen Pflegeplan zu machen und Ihnen die Sicherheit zu geben, dass Ihre Mutter gut zu Hause ankommt.